Fröhlichkeit!…
… oder ach nee, doch nicht.
In den vergangenen Tagen und Wochen ist es mir oft passiert. Irgendein Hinweis, ein Anruf, ein Sätzchen vermeintlicher Freunde, die mich im ersten Moment haben hüpfen lassen [im Herzen, versteht sich, denn wir sind ja nicht im Kindergarten] und dann nichts. Einfach nichts. Eine große Leere stellt sich ein.
Ein Beispiel: Ein Mensch, mit dem ich schon sehr lange nicht mehr gesprochen habe, ruft an und fragt, ob ich etwas Zeit habe. Möglichst sofort. Leute, was habe ich mich gefreut [Betonung auf "habe"]! Denn ich mag diesen Menschen wirklich sehr gern und in mir stellte sich schon im Moment des Anrufs die Erwartung ein, dass wir in Zukunft vielleicht öfter miteinander telefonieren würden.
Fröhlich aufgeregt treffe ich diesen Menschen also und er stellt mir eine völlig unwichtige, vom Grund des Titicaca-Sees gefischte [ok, aus aktuellem Anlass durchaus angebrachte, aber für mich relevanzlose und daher eine totale] Luftblasenfrage. Ich weiß nicht, wie mir geschieht. Das soll es also gewesen sein. Aus der fröhlichen jungen Frau wird so blitzschlagartig ein in sich zusammenfallendes kleines Mädchen, das traurig ihre kaputte Holz-Tigerente mit viel zu großen Gummistiefeln alleine im Regen über den grauen verdreckten Spielplatz hinter sich her zieht. Die Haare hängen regen- und tränenüberströmt im Gesicht…
Zweites Beispiel: Leckere Dinge fürs Frühstück beim Bäcker einkaufen kann frustrierender sein, als man zunächst glaubt. Ganz besonders, wenn wirklich nichts von dem da ist, was man gerne zum Frühstück isst und einkaufen möchte. Gut gelaunt stapfe ich an einem sonnigen Sonntagmorgen zum Bäcker, kaufe auf dem Weg dorthin eine dicke Sonntagszeitung und freue mich auf meine Vollkorn- und Roggenbrötchen mit Käsespezialitäten aus Bayern und aus dem Harz [bin ja eher der herzhafte Typ]. “Bitteschön?” ja dankeschön ich möchte gerne dies und das und hauptsache kein Weizenmehl und überhaupt viele Körner. “Ham wa nich, is aus.”
Schockstarre. Mein Körper versteift sich. Der Mund formt sich zu einem erstaunten, sprachlosen liegenden O. Ich beuge mich automatisch halb über die Theke und merke wie ich nur “Ä ä ää hm dann ä” stammeln kann.
“Hier wir ham noch Schusterjungen, da is etwas Roggen drin und dann hier die Sonnenblumenkern. Dat is aba alles mit Weizen.”
Die Theken beim Bäcker sind extra so hoch, damit man vor Wut nicht an den Hals der Bäckereifachverkäuferin springen oder das Körbchen mit den verdammten Schrippen durch die Gegend schleudern kann. Das Argument es seien “Verkaufstheken” mit viel Glas zur Präsentation der Backwaren ist nur eine faule [aber gut durchdachte] Ausrede um Gewalt und spontane Ausbrüche der Kunden nicht zu provozieren.
“Warten se ma, kann sein wir ham Ihre Schrippen im Ofen. Sie kriegen gleich frische. Bin gleich wieda da. Moment.” Meine Augen hören sofort auf zu rollen und auch die Atmung wird ruhiger. Was habe ich da gehört? Ach, das ist ja eine Überraschung. Im Ofen, wunderbar. Ein seliges Lächeln huscht über mein Gesicht und ich entspanne mich.
“Nee, Vollkorn ham wa erst so in ner halbe Stunde wieder. Tut mir leid. Was darfs sein?” Nichts, Leere. Blitzschlagartig wird aus der jungen Frau beim Bäcker ein in sich zusammenfallendes kleines Mädchen, das traurig ihre kaputte Holz-Tigerente mit viel zu großen Gummistiefeln alleine im Regen über den grauen verdreckten Spielplatz hinter sich her zieht. Die Haare hängen regen- und tränenüberströmt im Gesicht… keine Körnerbrötchen. Ich kaufe ein Brot, dünn geschnitten, stapfe wieder nach Hause und tatsächlich ist mir kurz zum Heulen zumute. Einzige Rettung ist, dass mich zu Hause angekommen ein liebes Gesicht anlacht und sagt “Da bist du ja wieder! Ist schon alles fertig”. Und Kaffee gibt´s auch.











