Damals, als die Sommer noch lang und sonnigwarm waren

Eine der wohl bekanntesten Phobien ist die Arachnophobie. Die Angst vor Spinnen. Teilen kann ich diese jedoch nicht. Diese grazielen, vielfüßigen Tierchen sind doch nett anzuschauen. Na gut, nur solange sie nicht auf dem eigenen Körper krabbeln oder in unmittelbarer Nähe zu diesem.

An eine wirklich unangenehme Erfahrung kann ich mich jedoch gut erinnern. Es geschah in einem Sommer vor vielen Jahren… damals, als die Sommer noch lang und sonnigwarm waren. Ich befand mich im Haus meiner Fast-Schwiegereltern mitten im schönen Sauerland. Nach einem kühlen Getränk durstend, machte ich mich auf den Weg vom Wintergarten durch einen langen schmalen Flur Richtung Keller, als ich plötzlich im Augenwinkel etwas sehr Großes an der Wand rechts neben mir sitzen sah. Etwas direkt über meinem Kopf! Schreck. Ich regierte in Mikrosekundenschnelle: Ein spitzer Schrei! Gefolgt von sprungartiger Rückwärtsbewegung in Bückhaltung zurück zum Wintergarten.

Schwein gehabt. Dem Monster erst einmal entkommen.

“Das Problem” war ja nun noch nicht gelöst, also schaute ich mir “das Ding” aus sicherer Entfernung mal genauer an. Es war etwa handtellergroß, stark behaart und hatte große leuchtende Augen, die mich genau musterten. Mal ehrlich, es war von der unsympathischen Sorte. Ich hatte das Gefühl, es machte sich lustig über mich. Vorbei kam ich nicht – ich hätte zu nah daran vorbei gemusst und das bereitete mir Unbehagen (sogar bis heute). Also rief ich laut und verzweifelt nach Hilfe und einer Waffe.

Mein damaliger Freund, der sich irgendwo im Haus herumgetrieben hatte, kam relativ schnell auf mich zugelaufen und reagierte ebenfalls in Mikrosekundenschnelle. Nur das er aus Richtung Haus kam. So standen wir uns gegenüber, die Spinne in der Mitte, ihren Sieg und uns Angsthasen triumphierend belächelnd. Ich lachte laut über den großen kräftigen Kerl, der tatsächlich unter einer ausgewachsenen Arachnophobie litt und sich, wie ein misshandeltes Tier, winselnd und möglichst weit weg von dem Mistvieh an die Wand drückte.

„Schatz, HOL WAS! Irgendwas zum Draufkloppen!“ rief ich ihm zu, um uns aus dieser bedrohlichen Situation zu retten. „Das geht nicht! Das gibt nen Riesenärger, wenn da so große Flecken an der Wand sind.“ war die Antwort und er kam nach kurzer Zeit mit einem Staubsauger um die Ecke, schob mir das Rohr langsam zu und wich wieder zurück – die Spinne immer im Auge „Du saugst!“.

Ich zog den Sauger zu mir rüber, schaute ungläubig in die Saugöffnung, auf die Spinne, in die Saugöffnung, auf die Spinne. Unmöglich das Dingen da rein zu bekommen, aber einen Versuch war es schließlich wert. Der Durchgang vom Haus zum Wintergarten wäre wieder frei und ich würde als mutige Befreierin da stehen. Nach dem Einstöpseln und Anschalten des Geräts bewegte ich mich nun langsam und möglichst leise mit dem Staubsaugerrohr auf das Vieh zu. Auf halber Strecke musste es sich natürlich bewegen, was dazu führte, dass wir zwei todesmutigen Kämpfer laute, spitze Schreie von uns gaben und zusammenzuckten.

Beim erneuten Annäherungsversuch fiel Arachnida von der Wand und krabbelte den Flur entlang. Es half alles nichts, ich musste mich beeilen und handelte schnell! Zack, anvisiert und angesaugt.

Wie geahnt, passte die Spinne kaum durch die Staubersaugeröffnung und das Gerät gab verstopfte Schlurpskrchchrrrch-Geräusche von sich. Nach einigen Schlackerbewegungen mit dem Rohr, akustisch begleitet von Uaaahhh-oh-nein-jetzt-geh-doch-rein-da-Rufen, hörte man es an verschiedenen Stellen durch den Schlauch schlurpsen und dann war das Rohr ENDLICH wieder frei.

Den Staubsauger stellten wir vorsichtshalber in den Heizkeller, den man mit einer dicken, schweren Metalltür verschließen konnte. Wir waren gerettet.

Category: Wetter | Tags: , 2 comments »

2 Responses to “Damals, als die Sommer noch lang und sonnigwarm waren”

  1. neurosenthal

    ihr alten lümmel-feiglinge! das war doch bestimmt gar keine spinne, nur ein hässlicher kleiner hund, so einer:

    http://www.netzeitung.de/bilder/images/1431_11756077798123.94.jpg

  2. Felix

    die arme spinne!
    ich hatte mal ein viel schlimmeres erlebnis: ich hab mal beim sauber machen eine schlange unter dem laub meiner palme entdeckt! ich bin vor schreck fast tot umgefallen, weil man ja nie weiss, wegen gift und so.
    nachdem ich wieder ins zimmer zurückgekehrt war, schlängelte sie (30-40 cm) sich am rohr der heizung entlang und wir schauten uns an. sie hatte sich mehr erschrocken als ich, stellte ich fest und meine angst wich einer faszination der schönheit und der eleganten bewegung. fast sexy. da sie auch nicht ein-farbig oder aggressiv gemustert war, sondern eher python-artig, dachte ich, dass sie auch nicht giftig ist, sondern eine einfache terrariumsschlange.
    als ich in die küche ging, um irgendetwas zu finden, mit dem ich das tier einfangen konnte – verschwand sie spurlos im loch meiner (hohlen) wand und war nie mehr gesehen. sind doch recht scheue tiere. aber ein paar tage war ich allerdings schon etwas unruhig.
    ein paar tage später traf ich einen nachbarn, der schräg über mir wohnte und ich fragte ihn, ob er schlangen züchte. als er das bejahte, fragte ich ihn, ob er ein tier vermisse und er sagte, es könne vorkommen, dass eine schlange aus dem inkubator, in dem er die eier ausbrütet, ausbüxen kann…..das tier war allerdings nicht frisch geschlüpft!
    jetzt stell dir mal vor, irgendwelche fertigen tapen züchten giftige schlangen!


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